Er ist wieder da

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Story

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva, im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy?

Kritik

Adolf Hitler erzählt aus der Ich-Perspektive, wie er am 30. August 2011 mitten in Berlin aufwacht, seine Umgebung ihn für einen Schauspieler hält und er bei einer Fernseh-Agentur Karriere macht. Nebenbei muss er feststellen, wie sich Deutschland politisch verändert hat und dass es zahlreiche technische Entwicklungen wie den Fernseher, den Computer oder das Internet gibt. Das Ende bleibt offen, sodass es eine Fortsetzung geben könnte.

Hoffentlich nicht, kann ich da nur sagen. Ich habe mich im Vorfeld eigentlich gefreut: Sprecher Christoph Maria Herbst war schon in den WiXXer-Filmen als “Alfons Hatler” zu sehen, der Trailer hat noch neugieriger gemacht. Doch die Geschichte ist einfach langweilig. Aus zwei Gründen: Zum einen ist die Geschichte darauf verkrampft, dass Hitler sich immer selbst gibt und sein Umfeld es immer als Schauspiel oder “Method Acting” ansieht.

Gibt es dann mal eine brenzlige Stelle, ob bei fehlenden Papieren oder bei einer Kampagne der BILD-Zeitung, so kann sich Hitler aus der Situation winden, indem er einfach der ist, der er ist. Das ist einmal okay, auf Dauer wirkt es aber arg konstruiert. Der zweite Grund ist, dass die Lacher fehlen. Ich habe vielleicht drei, vier mal kurz gelacht. Eher geschmunzelt. Mehr aber auch nicht. Wirkliche Witze gibt nur selten, zu selten.

Mit Müh und Not kann man “Er ist wieder da” noch als Mediensatire ansehen, wenn man bedenkt, wie blindlos die Fernseh-Agentur ihren Hitler vermarkten will und dabei Erfolg hat, vom YouTube-Hitler bis zum Grimme-Preis. Auf dieser Metaebene gedacht gibt es aber witzigere Geschichten wie etwa der Film Schtonk!. Im nächsten Jahr soll “Er ist wieder da” übrigens auch verfilmt werden.

Die einzig wirklich lustige Szene, als Hitler die NPD-Parteizentrale in Berlin aufsucht und mit Holger Apfel spricht, erinnert mich vom Dialog her doch stark an die “Neuesten Nationalen Nachrichten” von Extra 3. Zu Christoph Maria Herbst lässt sich wie immer sagen, dass er das Hörbuch gut liest – natürlich überwiegend mit verstellter Hitler-Stimme, andere Charaktere mit anderer Betonung. Musikalisch hat man sich, wie so oft bei Hörbüchern von Lübbe Audio, auf ein kurzes Intro und Outro beschränkt.

Fazit

Nicht wirklich zu empfehlen. Weder wird Hitler hier mal kräftig durch den Kakao gezogen, noch ist die Geschichte interessant. Vielleicht ist das Hörbuch etwas für Historiker, die sich in die Denkweise von Hitler versetzen wollen – aber das war es dann auch. Schade.

Der Marketing-Gag mit dem empfohlenen Preis von 19,33 Euro (= 1933) hat mich mehr zum Schmunzeln gebracht als so manche Hörbuchstelle.

Details
Credits:
– Sprecher: Christoph Maria Herbst
– Buchvorlage: Timur Vermes
– Buch: Dr. Larissa Schieweg
– Aufnahme, Mastering, Schnitt: d.c. Tonstudios GmbH
– Musik: Andy Matern
– Produktion: Marc Sieper
– Regie: Kerstin Kaiser

Daten:
– Art: Hörbuch
– ISBN: 9783785747414
– Länge: ca. 411 Minuten (76 Tracks)
– Preis: 19,33 € (6 CDs)
– Verlag: Lübbe Audio
– VÖ-Datum: 21.09.2012

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