Die drei ???, die Hörspielkönigin und vieles mehr (Rezension)

Mehrfach wurde es verschoben, nun ist es endlich im Handel: Das Buch über das Hörspiellabel EUROPA von dessen Gründer Andreas Beurmann mit dem Titel “Die drei ???, die Hörspielkönigin und vieles mehr”.

Im ersten Kapitel werden bekannte EUROPA-Hörspiele vorgestellt. Die Hörspielserien Die drei ???, TKKG und Fünf Freunde haben eigene Unterkapitel, in denen es die Handlung, die Charaktere und ihre Sprecher, Interviews und eine Liste mit den bisher veröffentlichten Hörspielen gibt. Abgerundet wird dies mit diversen Fotos.

Bei den Die drei ??? gibt es auch einen großen Fehler: Die Antworten der drei Hauptsprecher sind für Oliver Rohrbeck (Justus) schwarz (statt weiß), für Jens Wawrczeck (Peter) rot und für Andreas Fröhlich (Bob) blau eingefärbt. Bei letzteren beiden müsste es jedoch genau umgekehrt sein: Peter hat das blaue Fragezeichen und Bob das rote Fragezeichen, wie man auf der Rocky-Beach.com nachlesen kann.

Ein weiteres Unterkapitel bündelt weitere EUROPA-Hörspiele wie Larry Brent, Perry Rhodan, Hanni und Nanni, Hexe Lilli, Bob der Baumeister und viele mehr. Hier ist es jedoch chaotischer: Manchmal wird nur die Handlung erklärt, manchmal gibt es auch Charaktere und Sprecher, mal gibt es Hörspiellisten und mal nicht. Bei jeder Serie gibt es eine Auswahl der Cover zu sehen. Außerdem werden auch Einzelhörspiele wie Karius und Baktus aufgeführt.

Was mir bei allen Hörspielserien fehlt: Die Listen tragen nur Nummer und Titel, manchmal noch das Jahr. Die genauen VÖ-Daten wiederum findet man nur im Internet – dabei sollte doch genau in einem solchen Buch Platz für diese Informationen sein, oder? Auch Sonderfolgen oder DVDs, bei denen EUROPA beteiligt war, bleiben unerwähnt.

Das nächste Kapitel befasst sich mit den Darstellern. In alphabethischer Reihenfolge gibt es über jeden Darsteller einen Text und ein Foto. Auch hier chaotisch: Die Texte bieten nur unvollständige Informationen, bei einigen Darstellern werden nichtmal Geburtsjahr und Geburtsort aufgeführt. Besonders traurig und angesichts ihrer Verdienste bei EUROPA respektlos finde ich, dass Veronika Neugebauer nicht aufgeführt wird.

Danach gibt es im Kapitel “Die Hörspielkönigin” Fotos und eine ausführliche Biografie von Heikedine Körting, ebenso von Andreas Beurmann und eine kleine Übersicht über die damalige EUROPA-Firma. Auch einen Bericht von einem Arbeitstag von Körting gibt es.

Das anschließende Kapitel “Goldene Schallplatten” beschreibt kurz, ab wann es eine goldene Schallplatte gibt und weitere Auszeichnungen werden erwähnt, wie zum Beispiel den Guinness Weltrekord für Die drei ???.

Schließlich geht es im Kapitel “Das Studio EUROPA” über das Hörspiellabel: Mitarbeiter wie Hella von der Osten-Sacken (alias Wanda Osten) und André Minninger in einem Text mit Foto werden vorgestellt. Andere, wie etwa die Grafikerin Aiga Rasch, werden mit lediglich einem Satz erwähnt. Da das Buch über das Hörspiellabel geht, werden bei den Autoren auch nur die vorgestellt, welche für EUROPA mal Manuskripte geschrieben haben.

Schade ist auch, dass Carsten Bohn in nur wenigen Sätzen erwähnt wird, obwohl er die EUROPA-Musik maßgeblich geprägt hat. Man kriegt den Eindruck, dass das Haus EUROPA immernoch nicht über den damaligen Rechtsstreit hinweg gekommen ist. Die Behauptung, Bohn hätte einen “Vertragsbruch seinerseits” begangen, sahen die Gerichte übrigens damals etwas anders – dies ist auch der Grund, weshalb es die Bohn-Musik bis auf Ausnahme des Fünf-Freunde-Titelliedes nicht mehr in EUROPA-Hörspielen gibt.

Die Geschichte von EUROPA wird dann noch in einer Chronologie zusammengefasst, da ist selbst online mehr zu finden.

Im letzten Kapitel “Sonderanfertigungen” wird auf spärlichen zwei Seiten erwähnt, dass es von einigen Hörspielen Picture-Vinyl-LPs gibt und einige Hörspielcover einen 3D-Effekt hatten (z.B. bei Hexe Lilli).

Die Literatur-Empfehlungen beinhalten auch Internetseiten, jedoch wird z.B. EUROPA-Vinyl lediglich mit Namen genannt, aber nicht mit der Internetadresse. Ein Interview mit Frau Körting findet man laut Buch-Angabe unter “siehe YouTube”.

Fazit

Das Buch ist ein schönes Sammlerstück und eigenet sich für diejenigen, die wenig über EUROPA-Hörspiele wissen. Wer sich schonmal genauer mit EUROPA befasst hat, erfährt in dem Buch nicht viel neues. Die zahlreichen Fotos hingegen sind wieder ein Grund, das Buch vielleicht doch zu kaufen.

Ich finde es sehr schade, dass das Buch nur so oberflächliche Informationen bietet. Mein Tipp: Eine Neuauflage, die ruhig doppelt oder dreifach so viele Seiten hat wie das jetzige 177seitige Buch, dafür aber wirklich ausführlich alles beinhaltet, wäre perfekt. Dafür müsste EUROPA aber erstmal über den eigenen Schatten springen, um z.B. auch Carsten Bohn entsprechend zu würdigen, was so entfernt scheint wie ein spontaner Wochenendbesuch auf dem Mond.

Was mir auch sehr fehlt: Die Live-Auftritte der Die drei ???. Corinna Wodrich hat bei der “Master Of Chess”-Tour ein ganzes Tagebuch geführt, welches später auch in Buchform erschienen ist. Auch zu den anderen Live-Auftritten hätte man vieles zusammentragen können, Interviews führen können, Fotos zeigen können usw. – doch nichts, die Live-Auftritte werden nur nebenbei erwähnt (etwa bei dem Weltrekord).

Details
Autor: Andreas Beurmann
Titel: Die drei ???, die Hörspielkönigin und vieles mehr
ISBN: 9783487085074
Preis: 14,50 €
Verlag: Georg Olms Verlag
VÖ-Datum: November 2011

Der Georg Olms Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, hat mir auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt, weshalb das Buch von September auf November verschoben wurde. Darüber kann man also weiterhin nur spekulieren.

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3 Kommentare zu Die drei ???, die Hörspielkönigin und vieles mehr (Rezension)

  1. Pingback: RTL-Bericht über Heikedine Körting und EUROPA | hoernerd.de

  2. Ich war von dem Buch ebenfalls etwas enttäuscht. Es ist meiner Meinung nach gut zu merken, dass Herr Beurmann seiner Frau ein Geschenk machen wollte. Das Thema hätte eine breitere und vor allem genauere Abdeckung verdient.

    Insbesondere wäre dieses Buch eine gute Möglichkeit gewesen, den Rechtsstreit um die Musik zu erwähnen und etwas versöhnlich zu werden. Aber die Chance wurde leider vertan. Der Graben ist wohl zu tief.

    Deine Anmerkung über den Fehler mit den Farben kann ich gut nachvollziehen. Die Unsicherheit in der Farbenlehre ist bei Europa ja schon typisch. Und wie auf den Promo-Fotos für die Phonophobia-Tour zu sehen ist, wird Peter auch dort wieder die Farbe Rot zugeordnet werden …

  3. Christian sagt:

    @Gregor: Ja, stimmt, bei den Promo-Fotos ist es wieder falsch. m(

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