Die Pranke der Natur (und wir Menschen)

Story

Kurze Zeit, bevor das Erdbeben die Nordinsel von Japan um vier Meter versetzte, der Ausschlag war bis in die Schweizer Berge zu messen, hatte eine Forschergruppe an der Universität Sendai, die in derselben Präfektur wie das AKW Fukushima liegt, festgestellt, dass 1000 Jahre zuvor, nämlich im Jahre 869, bereits ein ähnlich schweres Beben, gefolgt von einem Tsunami stattgefunden hatte und dass – nach ihren Messungen – alle 1000 Jahre sich ein solches Unglück wiederholt. Wenige Wochen später erschütterten die Ereignisse in Japan die Welt.
Wir Menschen sind auf diesen langen Atem der Natur und auch auf solche plötzliche Gewalt nicht vorbereitet. Es gibt aber menschliche Gemeinwesen und Menschen, die auf die Pranke der Natur achten und auf sie zu antworten wissen. So haben die Holländer ihr Land durch Dämme gegen die mordlustige Nordsee erfolgreich geschützt. Und so sind wir in der Lage, die Zeichen von Fukushima und auch von Tschernobyl wenigstens nachträglich zu lesen.

Kritik

Der Deutschlandfunk hat dieses Hörspiel als “Hörspiel des Monats” ausgewählt und bejubelt es. Ich hingegen frage mich, was das hier sein soll. Ein Hörspiel ist es nicht, eher eine Art Radio-Feature-Collage.

Meine Erwartung aus dem Klappentext war, dass hier die Geschichte über die Entdeckung eines möglichen Erdbebens der Wissenschaftler sowie die Tsunami-Katastrophe an sich aus der Sicht der Opfer erzählt wird. Dies hätte man auch gut als Hörspiel umsetzen können.

Stattdessen gibt es mal Lieder zu hören, mal kurze Hörspiel-Szenen, dann wieder Gespräche im Interview-Stil und zwischendrin auch noch TV-Zapping und Diashow-Vorträge. Auch Hörspiel-Szenen gibt es, die dann aber mit viel Erzähler-Text vorgetragen werden. Ein Sammelsurium, dessen einziger roter Faden es ist, dass es um Naturkatastrophen geht.

Und auch absurde Ansichten werden in dem Hörspiel vermittelt. So wird behauptet, dass jeder massenhafte Tod eine schwer messbare Stoßwelle ähnlich einem seismischen Erdbeben nach sich zieht, um die unschuldigen Toten zu rächen. Diese doch recht steile These wird auch nicht hinterfragt, sondern durch eine angebliche Wissenschaftlerin (dessen Name nicht genannt wird; die Szene ist insziniert) bestätigt – “es wäre doktrinär, wenn wir sagen, soetwas gibt es nicht”. An der Stelle bin ich gerne mal doktrinär.

Die meisten Tracks sind zwischen 2 und 4 Minuten lang. Fans von Helge Schneider sei gesagt, dass er lediglich in einem 3-Minuten-Gespräch über seinen angeblichen Einsatz als THW-Helfer in Fukushima berichtet. Die 2 CDs kommen in einem Digipak mit Booklet.

Fazit

Das Thema Naturkatastrophen, speziell die Katastrophe in Fukushima, hätte man gut als Hörspiel umsetzen können. Dieses Hörspiel bietet jedoch statt einer Geschichte nur ein Sammelsurium an teilweise absurden Gedanken. Empfehlen kann ich das Hörspiel nicht.

Details
Sprecherliste:
– Katja Bürkle
– Hannelore Hoger
– Nico Holonics
– Alexander Kluge
– Alexandra Kluge
– Gabriel Raab
– Edgar Reitz
– Helge Schneider
– Helmut Stange
– Kathrin von Steinburg
– Jochen Striebeck

Credits:
– Buch: Alexander Kluge
– Bearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
– Musik: Gustav, Ikue Mori, Alva Noto
– Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst 2011
– Ton und Technik: Wilfried Hauer, Susanne Herzig, Fabian Zweck
– Regieassistenz: Stefanie Ramb
– Redaktion und Dramaturgie: Herbert Kapfer, Katarina Agathos

Daten:
– Art: Hörspiel
– ISBN: 9783888977626
– Länge: ca. 105 Minuten (36 Tracks)
– Preis: 19,95 € (2 CDs)
– Verlag: Kunstmann Verlag
– VÖ-Datum: 15.02.2012

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